Energie sparen mit kleinen Maßnahmen – Teil 1: rund um die Heizung

(basierend auf der Ideensammlung von Georg Friedemann)

Auch Kleinvieh macht Mist

Beim Energiesparen muss es nicht immer gleich die fünfstellige Investition sein – es gibt auch kleine Maßnahmen, mit denen sich Energie sparen lässt. Teilweise kann man das sogar selbst machen, teilweise braucht man fachkundige Unterstützung oder Spezialwerkzeug.

Dazu haben wir Ideen gesammelt – Im ersten Teil beschreiben wir die Dinge, die ihr rund um die Heizungsanlage verbessern könnt.

Heizung: Entlüftung und Wartung nicht vergessen

Zur Errinnerung: für die Heizungseffizienz ist die regelmäßige Wartung wichtig.  Wenn die Wartung noch nicht beauftragt ist: Unbedingt zeitnah erledigen, damit die Wartung noch vor Weihnachten stattfindet.

Wenn der Heizungsinstallateur im Haus ist, dann ist das eine gute Gelegenheit, ihn zu bitten, Vorlauftemperatur der Heizung zu senken und euch zu erklären, wie ihr sie notfalls wieder höher stellt.

Vorlauftemperatur senken

Heizungs-Vorlauftemperatur:  Was ist das eigentlich?

Die Heizungsbrenner erhitzt das Wasser, das die Umwälzpumpe durch die Heizungsleitungen zu den Heizkörpern pumpt.

Als Vorlauftemperatur bezeichnet man die Wassertemperatur, auf die das Heizungswasser vom Brenner erhitzt wird. Entsprechend ist die Rücklauftemperatur die Wassertemperatur, die das Wasser hat, nachdem es durchs Haus gepumpt wurde und wieder zurück zur Heizung, also zum Brenner und Pufferspeicher,  kommt.

Die Rücklauftemperatur ist niedriger als die Vorlauftemperatur, denn dass Heizungswasser hat auf seinem Weg durchs Haus seine Wärme an die Räume abgegeben.

Der Unterschied zwischen Vorlauf- und Rücklauftemperatur lässt sich leicht erfühlen:  An die Heizung sind zwei Heiz-Wasserrohre angeschlossen. Wenn sie schlecht isoliert sind, und wenn man sie – wenn die Heizung läuft – anfasst, dann merkt man deutlich, dass ein Rohr wärmer als das andere ist.

Hohe und niedrige Vorlauftemperaturen

In Altbauten sind die Heizungsanlagen meist auf hohe Vorlauftemperaturen eingestellt, damit es in den wenig gedämmten Häusern schnell und in allen Räumen warm wird.

Je höher die Vorlauftemperatur, desto heißer ist das Wasser, das durchs Haus geschickt wird. Weil sehr heißes Wasser viel Wärme transportiert, wird das Haus schnell warm und selbst bei großen Leitungsverlusten in den Heizungsleitungen kommt im Obergeschoss noch viel Wärme an.

Und was geschieht, wenn die Vorlauftemperatur gesenkt wird? Warum kann das funktionieren? Was sind die Vor- und die Nachteile?

Vorteil: Nach der Absenkung der Vorlauftemperatur geht weniger Energie in den Heizleitungen verloren, wir sparen also Öl oder Gas.

Nachteil: Es dauert länger , bis die Räume warm werden.

Die spannende Frage ist aber, ob ihr eurer Haus danach auch an kalten Tagen noch ausreichend warm bekommt. Das hängt nicht nur von der Dämmung und der Dichtigkeit der Außenhülle des Hauses ab, sondern auch von der Größe und der Anzahl der Heizkörper, die im Raum installiert sind.

Senkt die Vorlauftemperatur eurer Heizung und probiert es aus. Die Heizkörper im Altbau sind oft überdimensioniert,  deshalb funktioniert das häufig.

Wenn es – auch mit warmen Pullover – nicht warm genug wird, muss sie eben wieder hoch gestellt werden, siehe Bedienungsanleitung und/oder Installateur.

Es kann in eurem Haus Räume geben, in denen der Heizkörper etwas klein ist. Das ist der Raum, in dem man schon vor der Absenkung der Vorlauftemperatur den Regler voll aufdrehen musste, damit es warm wird. Hier müsstet ihr überlegen, ob man den Heizkörper in diesem Raum vergrößern kann.

Vor- und Rücklauftemperatur für Brennwertkessel und Wärmepumpe

Brennwertheizung

Wenn ihr eine Brennwertheizung habt, ist außer der Vorlauftemperatur auch die Rücklauftemperatur wichtig. Sie wird gemessen, und sie sollte kleiner als 50 Grad sein.

Nur wenn die Rücklauftemperatur unter 50° C gehalten wird, bringt der Brennwertkessel höhere Effizienz. Die Kesselabluft wird über die niedrige Heizungswasser-Rücklauftemperatur gekühlt, so dass das in der Kesselabluft enthaltene Wasser kondensiert. Die dabei freigesetzte Wärme wird dem Heizungssystem zusätzlich zugeführt.

Wenn die Rücklauftemperatur bei einer Brennwertheizung zu hoch, d.h. höher als 50 Grad ist, vergeudet man Energie, weil der Brennwerteffekt verpufft. Dann muss der Heizungsinstallateur die Heizung richtig einstellen.

Wärmepumpe

Vorlauftemperatur unter 50° C stellt sicher, das der Stromverbrauch für die Wärmepumpe nicht ins Astronomische steigt.

Hydraulischer Abgleich

Problem: Ungleichmäßige Wärme in allen Räumen

Je weiter ein Zimmer von dem Brenner weg ist, desto abgekühlter ist Heizungswasser, das dort ankommt. Die Räume unterm Dach werden also schwächer beheizt, als das Wohnzimmer im Erdgeschoss. Wenn diese Räume als Schlafzimmer genutzt werden, dann passt das. Anders sieht es aus, wenn sich unter dem Dach z.B. Arbeitszimmer befinden. Sie benötigen Aufenthaltstemperatur.

Abhilfe: Hydraulischer Abgleich

Durch einen „hydraulischen Abgleich“ kann man die Heizkörper so einstellen lassen, dass alle Räume gleichmäßig geheizt werden.

Ziel des hydraulischen Abgleichs ist es, die einzelnen Räume eines Hauses gleichmäßig zu erwärmen – bei Stellung der Thermostatventile auf gleicher Stufe. Es soll so viel Heizungswasser durch die Heizkörper fließen, wie je Raum nötig ist.

Die Durchführung des hydraulischen Abgleichs ist Voraussetzung für die meisten Förderungen energetischer Maßnahmen.

Thermostatventile

Die Thermostatventile an den Heizkörpern halten die Wärme in den einzelnen Räumen konstant, d.h. wenn sie merken, dass die Wunschtemperatur erreicht ist, regeln sie den Heizkörper ab.  Dabei bedeutet „zwei“ 16 Grad, und „drei“ 20 Grad.

Die „normalen“ Thermostatventile sind inzwischen wahrscheinlich in jedem Haus und in allen Räumen angekommen. Wir haben wahrscheinlich inzwischen auch alle gelernt, dass sie ein Raum nicht schneller warm wird, wenn wir sie auf „fünf“ stellen – er wird nur wärmer und wir verschwenden Energie.

Weil der Einbau schon so lange vorgeschrieben ist, werden sie in den meisten Häuser auch schon einige Jahre auf dem Buckel haben: Sie verlieren nach einiger Zeit ihre Empfindlichkeit und sollten (alle 12 bis 15 Jahre) ausgetauscht werden.

Alles zu Funktion, Pflege und Wartung des Heizkörperventils findet sich ausführlich in diesem Artikel:

 

Elektronische („Smarte“) Ventile

Wenn man Thermostatventile austauschen muß, kann man sie auch durch elektronische („Smarte“) Ventile ersetzen, die sich über App oder Internet steuern lassen.

Für wen ist es sinnvoll?

Bei der Überlegung, ob elektronische Ventile für das eigene Haus und die eigenen Gewohnheiten sinnvoll sind dabei hilft dieser Artikel von CO2online:

 

Produktvergleich

2019 hat Stiftung Warentest eine Untersuchung zu smarten Thermostatventilen veröffentlicht:

 

Einbau und eigene Erfahrung

Für die allermeisten Heizkörper kann man das smarte Ventil sehr leicht selbst einbauen.

Erfahrung haben wir nur mit den smarten Reglern von AVM. Sie setzen voraus, dass man eine Fritz-Box von AVM als Internetrouter benutzt.

Auf Youtube gibt es ein Video, in dem AVM detailliert den Einbau und die Funktionen dieser Ventile beschreibt:

Wenn ihr also wißt,

  • dass ihr eine Fritz-Box habt
  • dass ihr in einigen oder allen Räume regelmäßig sehr ungleichmäßig Wärme benötigt,
    weil ist z.B. ihr z.B. in der Woche zwischen 8:00  und 18:00 nicht zu Hause seid

dann schaut euch das Video an, und entscheidet, ob ihr euch die Installation zutraut. Es ist wirklich sehr einfach.

Aus eigener Erfahrung:
Wir haben eine Fritz-Box von AVM als Internetrouter. AVM bietet – als Zubehör zur Fritz-Box – auch elektronische Thermostatventile an (https://avm.de/produkte/fritzdect/fritzdect-301/). Damit haben wir im Laufe der Zeit fast alle Heizungen ausgerüstet, weil wir die automatische Zeitsteuerung als hilfreich empfanden und den Eindruck hatten, dass wir ganz erheblich damit sparen.

 

Vor dem Heizkörper: Hindernisse wegräumen

Die Heizkörper geben die Wärme in alle Richtungen ab – nach vorne, nach hinten und nach oben. Damit wir im Raum etwas von der Wärme haben, die nach vorne abstrahlt, dürfen die Heizkörper nicht verdeckt sein – weder von Möbeln noch von Vorhängen.

Schaut euch eure Einrichtung kritisch an, und räumt die Heizkörper frei von Hindernissen. Und auch wenn es euch vielleicht schwerfällt: Vorhänge vor dem Fenster sparen deutlich Energie, aber sie dürfen die Heizkörper nicht verdecken.

Schöne lange Vorhänge, die zugezogen vor dem Heizkörper hängen, sind daher keine gute Idee.  Als adhoc-Lösung lassen sie sich mit einer Handvoll Sicherheitsnadeln umstecken. Unsere hängen ein Stückchen übers Fensterbrett und leiten die Wärme deutlich zum Fenster statt in den Raum. Deshalb werden sie – zugezogen – mit Gummispinnen auf dem Fensterbrett fixiert. Dann kommt die Wärme auch im Zimmer an.

Das gilt genauso für Handtücher und nasse Kleidung: Wenn man die auf der Heizung trocknet, kommt die Wärme nicht im Raum. Dafür gibt’s im Handel Wäschetrockner zum Einhängen an den Heizkörper oder man zweckentfremdet eine Duschvorhangschiene:

Hinter dem Heizkörper: Isolieren

Die Wärme, die der Heizkörper nach hinten abgibt, verschwindet in der Wand.  Oft steht der Heizkörper dann noch in einer Nische, in der die Außenwand oft schmaler gemauert ist und dann geht besonders viel Wärme durch die Wand.

Das lässt sich verhindern, wenn man die Heizkörper mit alukaschiertem Styropor hinterklebt.  Das verbessert die Dämmung der Wand und reflektiert die Strahlungswärme in den Raum.

Dazu gibt es zwei Wege:

Installateur beauftragen – Heizkörper abbauen – dahinter dämmen

Das bietet sich an, wenn eine Heizungsreparatur erzwingt, dass die Heizung geleert werden muss. Dann kann man den Installateur beauftragen, die Heizkörper erst abzumontieren, dämmen, ggfs.. die Heizkörper neu spritzen lassen, dahinter dämmen und wieder anmontieren lassen. „einfach so“ ist dieser Weg doch recht aufwendig. Vielleicht versucht ihr euch erstmal an der Do-It-Yourself-Variante:

Dämmung hinter den Heizkörper „fummeln“

Hört sich mühsam an, scheint aber nicht so schlimm zu sein. Jedenfalls findet sich (wieder einmal) im YouTube-Kanal des Energiesparkommissars eine bildschöne Anleitung dazu – sie macht richtig Lust, sich das Material zu besorgen und es auszuprobieren.

Da es im Moment etwas schwierig ist, einen Heizungsinstallateur zu bekommen, wird für die meisten von uns die Variante 2 – „dahinterfummeln“ – realistischer sein. Erstmal die youtube-Anleitung:

Und aus den Kommentaren unter dem Video:

  • Wenn das Haus eine ausreichende Außendämmung hat, lohnt sich die Aktion nicht.
  • Auch mit Dämmung bleibt es immer noch so warm und mit alukaschierter Styroportapete so trocken, dass hinter der Heizung nichts schimmelt.
  • Wenn die Wand nicht sehr eben und sauber ist, hält das doppelseitige Klebeband oft nicht.
    Dann muss man es mit Montagekleber versuchen.

Unter dem Heizkörper:
Heizkörperverstärker installieren

Was ist ein „Heizkörperverstärker“?

Unter einem Heizkörperverstärker versteht man kleine Lüfter wie sie in PCs verbaut werden.  Mit einem Magneten werden  sie unter dem Heizkörper befestigt und benötigen einen Stromanschluss. Wenn der Heizkörper warm wird, springen sie an und verteilen die warme Luft im Raum.

Was bringt das?

Normalerweise steigt die warme Luft an der der Wand zur Decke hoch und fällt von dort wieder herunter. Diese Lüfter wedeln uns die warme Luft sozusagen direkt zu  – d.h. um im Fernsehsessel wirklich 20 Grad zu haben, müssen wir den Heizkörper nicht auf 22 Grad stellen, sondern es funktiniert vielleicht schon mit 20 Grad.

Firmen, die diese Lüfter vertreiben, sprechen von 20% Einsparung. Die Simulation in dem zweiten Artikel kommt immerhin auf 17% – was eine weitere Senkung der Vorlauftemperatur ermöglicht.

Zwei Artikel, die diese Lüfter vorstellen:
https://heizung.de/heizung/wissen/heizkoerper-mit-luefter-nachruesten-und-sparen/

 

 

Bekannte Nachteile

Stromverbrauch:
Die Dinger brauchen einen Stromanschluss und etwas Strom. Tatsächlich ist ihr Stromverbrauch sehr gering.

Geräusche durch die Lüfter:
Bei unserem Testmodell erscheint uns der Lüfter sehr leise – das ist aber ein subjektiver Eindruck und man muss es selbst ausprobieren.

Mehr Staub:
Die Lüfter wirbeln die Luft auf, und damit auch den Staub  – für starke Allergiker kann das  problematisch werden..

Montage und Preise

Die Montage ist denkbar einfach: die Lüfter und der Temperaturfühler werden mit Magneten an der Unterseite der Heizkörper befestigt und an die nächste Steckdose angeschlossen.

Der Preis kommt auf den Hersteller und den zu belüftenden Heizkörper an. Zum Ausprobieren haben wir einen Heizkörperverstärker für einen kleinen Heizkörper von Speedcomfort für 60 EUR bei Amazon bestellt – (https://www.speedcomfort.de/product/speedcomfort-basic-mono-satz-2/). Zur Zeit – Anfang August – hat er auch völlig normale Lieferzeiten von einigen Tagen.

Dies ist nur ein Beispiel, es gibt diverse andere Anbieter.  Einen unabhängigen Produktvergleich habe ich leider nicht gefunden.

Eigene Erfahrung/Messung

Bisher (August 22) können wir noch nicht sagen, wie sich der Heizkörperverstärker tatsächlich auswirkt. Ihre Erwähnung basiert bisher auf der Empfehlung von Wärmepumpen-Installateuren. Erfahrung und Messung liefern wir während der nächsten Heizperiode nach.

 

Zum Weiterlesen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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